Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag nicht angetastet. Was erwarten Experten nun von der Geldpolitik in den kommenden Monaten?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen unverändert gelassen, trotz der wirtschaftlichen Folgen des erstarkten Euro und der erneut aufgeflammten Unsicherheiten im Welthandel. Am Donnerstag (5.2.) blieb der Einlagensatz wie von allen Ökonomen in einer „Bloomberg“-Umfrage prognostiziert bei 2,0 Prozent.
Die EZB verzichtete in ihrer Mitteilung auf Hinweise zu künftigen Maßnahmen und bekräftigte, dass die weitere Entwicklung der Daten maßgeblich für die Entscheidungen sein wird.
Wirtschaft robust – Ausblick unsicher
„Die Wirtschaft zeigt sich in einem schwierigen globalen Umfeld nach wie vor robust“, hieß es in der Erklärung der Notenbank. Die niedrige Arbeitslosigkeit, solide Bilanzen im privaten Sektor und die allmähliche Umsetzung der Pläne für öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur förderten das Wachstum – ebenso die stützenden Auswirkungen der vergangenen Zinssenkungen. „Zugleich ist der Ausblick nach wie vor von Unsicherheit geprägt, was insbesondere auf anhaltende globale handelspolitische Unsicherheiten und geopolitische Spannungen zurückzuführen ist.“
Was bedeutet das für die Anleger?
Das Zinsniveau bleibt vorerst stabil, d.h. kurzfristige Anlagen in Zinse-ETFs rentieren sich um 2 % ohne Schwankungen bis das Niveau des Leitzins durch die EZB verändert wird.
Geschäftsbanken könnten womöglich attraktivere Verzinsungen auf Tagesgeldkonten und kurzfrristige Bareinlagen ermöglichen.
Ein unveränderter Leitzins wirkt wie ein „Status Quo“ für die Unternehmensbewertungen.
Da die Zinsen nicht weiter steigen, können Unternehmen ihre Kapitalkosten besser kalkulieren. Das kann den Druck von den Aktienkursen nehmen, da zukünftige Gewinne nicht stärker diskontiert werden.
Bei 2% Leitzins bleiben Anleihen und Tagesgeld eine ernstzunehmende Konkurrenz für Dividendenaktien. Anleger springen nicht „um jeden Preis“ in den Aktienmarkt.
Der Immobilienmarkt reagiert meist träger als die Börse, aber die Nachricht ist hier besonders relevant.
- Hypothekenzinsen: Da die EZB nicht senkt, bleiben auch die Baukredite auf dem aktuellen Niveau (meist deutlich über den 2% Leitzins). Ein schneller Boom durch billiges Geld bleibt also aus.
- Bewertungsdruck: Immobilienpreise müssen sich weiterhin an das „neue Normal“ anpassen. Da die Zinsen nicht fallen, sinkt der Druck auf die Renditen (Cap Rates) nicht, was die Preise eher seitwärts laufen lässt oder leicht deckelt.
- Bautätigkeit: Für Projektentwickler bedeutet die Zinspause zwar keine Verschlechterung, aber bei 2% Leitzins bleiben viele Neubauprojekte aufgrund der hohen Gesamtkosten weiterhin am Rande der Rentabilität.
Quelle: teilweise: https://www.fondsprofessionell.de/news/uebersicht/headline/klare-botschaft-der-ezb-so-kommentieren-experten-die-zinssitzung-248307/ref/2/
