Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten, insbesondere die militärischen Auseinandersetzungen mit dem Iran seit Ende Februar 2026, hat die Kapitalmärkte in eine Phase erhöhter Volatilität gestürzt. Während die Weltwirtschaft zuvor auf Erholungskurs schien, dominieren nun Sorgen über Energiepreise und die Rückkehr der Inflation das Geschehen.
Hier ist eine Analyse der Entwicklungen der letzten vier Wochen (Stand Mitte März 2026):
1. Aktienmärkte: Rückzug und Rotation
Die Aktienmärkte reagierten auf den „Iran-Schock“ ab dem 28. Februar mit deutlichen Abschlägen. Weltweite Indizes wie der MSCI World verloren in den letzten zwei bis drei Wochen rund 4–5 %. Besonders hart traf es zyklische Werte und Branchen, die stark von Energiekosten abhängen (Chemie, Luftfahrt).
- DAX & Europa: Der deutsche Leitindex rutschte zeitweise unter die Marke von 23.500 Punkten. Da Europa stärker von Energieimporten abhängig ist, fielen die Verluste hier oft deutlicher aus als in den USA.
- USA: Die US-Börsen zeigten sich vergleichsweise resilienter, gestützt durch den Status der USA als Energieexporteur. Dennoch belastet die Angst vor „Sticky Inflation“ (anhaltend hohe Inflation) die Tech-Werte, da Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen vorerst schwinden.
2. Anleihen: Kein sicherer Hafen wie gewohnt
Normalerweise flüchten Anleger bei Kriegen in Staatsanleihen. Doch dieses Mal ist es anders: Da der Konflikt die Ölpreise (Brent stieg zeitweise auf über 100 USD) massiv nach oben trieb, stiegen auch die Inflationserwartungen.
- Höhere Inflation bedeutet, dass Zentralbanken die Zinsen länger hoch halten müssen.
- Dies führte zu sinkenden Kursen bei bestehenden Anleihen. Viele Anleger mussten feststellen, dass Staatsanleihen in diesem spezifischen stagflationären Umfeld (steigende Preise bei schwachem Wachstum) ihren Schutzcharakter teilweise verloren haben.
3. Edelmetalle: Gold als „Währung der Angst“
Gold erlebte in den letzten vier Wochen eine Achterbahnfahrt. Unmittelbar nach den ersten Schlägen schoss der Preis auf Rekordhöhen von über 5.500 USD pro Feinunze hoch.
- Korrektur: In den letzten Tagen sahen wir jedoch Gewinnmitnahmen und einen Rücksetzer unter 5.100 USD.
- Ursache: Der extrem starke US-Dollar und die Aussicht auf dauerhaft hohe Zinsen machen das zinslose Gold teurer für internationale Käufer und schmälern die Attraktivität gegenüber Cash-Anlagen. Dennoch bleibt Gold auf Jahressicht eines der stärksten Assets (+23 %).
Resümee: Die Anlage-Strategie in der Krise
Für Anleger, die eine weltweit diversifizierte ETF-Strategie (z. B. 70/30 Aktien/Zinsmärkte oder auch 100% Aktien) verfolgen, liefert diese Phase eine wichtige Lektion: Geopolitik ist Rauschen, Strategie ist Fundament.
- Diversifikation schützt: Während europäische Aktien litten, hielten US-Werte und Energietitel im Portfolio die Verluste in Grenzen. Eine breit gestreute Strategie fängt regionale Schocks ab.
- Rebalancing: Wer Gold oder Rohstoffe als Beimischung hält, könnte die aktuelle Spitze als Rebalancing nutzen – also teuer gewordene Edelmetalle verkaufen, um nun günstigere Aktienanteile nachzukaufen. –> hierzu sprechen Sie gerne Ihren Honorarberater von primus finance an.
- Langfristfokus: Historisch gesehen haben sich Märkte von Situationen wie dem aktuellen Nahost-Konflikt oft schneller erholt als gedacht. Wer jetzt panisch gefallene Anlagen verkauft, realisiert Verluste, während der „Buy-and-Hold“-Anleger von der eventualen Beruhigung und dem Zinseszins profitiert.
- Schadensbegrenzung: Eine, wenngleich mit kleinen Verlusten verbundene, temporäre Schadensbegrenzung für den extrem unruhigen und sicherheitsliebenden Anleger, könnte eine partiale Umschichtung von Aktienwerten in den Geldmarktbereich sein. Es würde aktuelle und womöglich noch folgende Schwankungen abfedern, jedoch die Rendite des Gesamtportfolios beeinflussen. Den „richtigen Zeitpunkt“ für eine Umschichtung findet man nie. Es wäre daher eine rein emotionale Entscheidung, die Beruhigung fördern könnte, vom Renditeergebnis einer Buy-and-hold Methode jedoch hintenansteht. –> hierzu sprechen Sie gerne Ihren Honorarberater von primus finance an.
